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20070124

Unser Leben der Anderen

Der Film "Das Leben der Anderen" ist in Tschechien diesen Monat erfolgreich in den Kinos gestartet. In dem Drama, das in der von Stasi-Spitzeln durchsetzten Kulturszene Ost-Berlins spielt, zeigt noch einmal explizit die menschenverachtenden Züge und deren Auswirkungen auf die Menschen dieses Staates, vor allem auf derer, die sich nicht anpassen wollten. Besonders dieses für Thema scheint ein großes Interesse in Tschechien zu bestehen, denn vergleichbare tschechische Filme zu dieser Thematik gibt es in Tschechien nicht.

Im Gegensatz zu Deutschland besteht in Tschechien auch keine Behörde oder Institution zur Aufarbeitung dieser Zeit. Die Eliten wurden auch nicht wie in Ostdeutschland ersetzt durch Beamte, Politiker usw. aus Westdeutschland.

Am 18. - 19.1.2007 fand in der Tschechischen Botschaft in Prag zu diesem Thema eine Konferenz statt, über die Radio Prag berichtet. "Es gibt keine Institution wie die Birthler-Behörde in Deutschland, bzw. die Gauck-Behörde, wie sie früher hieß. Die Schaffung einer solchen Institution wurde dann auch von Historikern wiederholt gefordert. Es könne nicht sein, hieß es, dass diejenigen, die für das Leid vieler Menschen verantwortlich sind, heute als ehemalige Staatsbeamte hohe Renten beziehen, während die Opfer, auch finanziell, immer noch unter den Folgen zu leiden haben." (ganzer Artikel)
So das auch zu vermuten ist, dass an der Aufarbeitung dieser Zeit ein gewisser Bedarf besteht. Vielleicht kann dieser Film dazu beitragen, dass dieses Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit erhält und nicht nur Thema einer "Elitendiskussion" bleibt.

Links:

Tschechische Botschaft in Berlin: Konferenz "Auseinandersetzung mit der totalitären Vergangenheit"

"Das Leben der Anderen" - offizielle Homepage - Wikpedia

tsch. Filmkritik zu "Životy těch druhých" (Das Leben der Anderen)

20061108

Keine Verjährung für Mauerschützen

Nach einem Grundsatzurteil des höchsten tschechischen Gerichts sind Tötungen an der ehemaligen Grenze der Tschechoslowakischen Republik "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und können somit nicht verjähren, berichtet die Deutsche Presse Agentur (dpa). Damit wird ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur gemacht. «Jeder Staat sollte sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, ob sie nun gut oder schlecht ist», begrüßte die tschechische Generalstaatsanwältin Renata Vesecka das Urteil.


Es zeigt, dass die Jurisdiktion eine Aufarbeitung der Zeit der kommunistischen Diktatur für wichtig hält, hingegen versuchen Teile Legislative die Schaffung eines "Institutes des nationalen Gedächtnisses" zu verhindern , das vergleichbar mit der in Deutschland sogenannten "Gauck-Behörde" ist, so berichtet Radio Prag. Weniger überraschend ist, dass es genau Altkommunisten und Teile der CSSD sind, die dieses versuchen zu verhindern. Der Gesetzentwurf zur Schaffung wird überflüssig und kostenintensiv abgelehnt, jedoch dürfte eher Angst vor der Vergangenheit dahinter stecken. Über den Gesetzentwurf wird weiterhin im tschechischen Parlament beraten und man kann hoffen, dass mit einem solchen Institut, eine gründliche und notwendige Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit möglich sein wird, nicht nur der Gerechtigkeit wegen.